Best of Both Worlds: Montréal

HEADER_Montreal_LofficielDieser Artikel erschien am 27.Juli auf L’officiel.de

Weiter geht’s mit unseren Reisetipps: Die kanadische Provinz Quebec, mit ihrer Haupstadt Montréal, bildet die perfekte Mélange aus amerikanischemLifestyle und französischem Joie de Vivre. Unsere Autorin war vor Ort und verrät ihre Highlights

Ein wenig verwirrend ist es schon: Wo man hinsieht, fette SUV’s auf den Straßen, die Typen alle muskelbepackt und oben ohne, die Mädels in Sportklamotten, so als kämen sie gerade von der Barr Class – oder was immer sonst gerade der neueste Fitness Craze ist. Gefühlt, ganz klar:Amerika. Doch dann: Die Straßen heißen plötzlich Boulevard Saint-Laurent oder Rue Notre-Dame, die sportlichen Menschen rauchen oder trinken Wein, essen Austern und Fromage und sprechen dabei dreckiges Französisch.
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Der Desi­gner ist tot, es lebe der Stylist

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©Vetements SS17, Viktor & Rolf Haute Couture FW16, Vetements SS17 via lofficielmode.com

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 12.07.2016 bei L’officiel Germany.

Recycling ist in. Bei Margiela und Viktor & Rolf kommt zur Haute Couture Recyceltes auf den Laufsteg, und auch bei der Mens/Womens SS17 Show von Vetements.

Neu ist daran hauptsächlich, wie die Retroteile kombiniert werden. Wenn das 20. Jahrhundert das des Designers war, so befinden wir uns aktuell im Zeitalter der Stylisten. Bricolage (von frz. bricoler herumbasteln, zusammenfummeln) ist das kontemporäre Gegenstück zum Kreieren. 

So zeigten die eben zu Ende gegangenen Couture-Schauen vor allem eines – Eklektizismus. Anything goes. Die Designer wühlen in den reich bestückten Archiven ihrer Modehäuser, gehen mit dem Staubwedel über Akten unseres visuellen kollektiven Bewusstseins, ziehen einige heraus und fügen ihre Inhalte neu zusammen. So entstehen die Looks von Heute. Erfolgsrezepte der Vergangenheit, neu püriert. 

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©Vetements SS17 via lofficielmode.com

Ganz ähnlich wie unser Facebook-Feed, sind viele der Kollektionen lose Aneinanderreihungen von Katzenbildern, Blumen und Jahrzehnten. Genau das ist es aber, was unsere immer kürzer werdende Aufmerksamkeitsspanne bei Laune hält. Bereits Bekanntes, neu geremixed. Die Postmoderne entfaltet ihre volle Intertextualität auf den Laufstegen von Mailand undParis, ganz besonders aber bei Vetements’ Demna Gvasalia.

Bei der Show des Hype-Labels, das momentan wohl das Stilgebendste ist, sah man eine bunte Mischung aus High und Low, In und Out, Chic und Trash. Dabei wandte Demna Gvasalia einen bewährten, wenn auch genialen Trick an: Dort ansetzen, wo der Zeiger des Modezyklus gerade noch auf “Ablehnung” steht. Er kombiniert also Dinge, die in der Vergangenheit hipwaren, dann out wurden und demnächst voraussichtlich wieder tragbar werden. Er nimmt sie aber aus der Altkleidersammlung, kurz bevor sie dies tun. 

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©Vetements SS17 via lofficielmode.com

Diese Vetements-Version des Ugly Chic, die vielleicht noch aus seinen Tagen bei Margiela herrührt, bedeutet im Moment also: spitz zulaufende Overknee-Satinstiefel, Karottenjeans-cum-Denimjacke, Antwerpen-Souvenir-Shirts, Hosen in über-über-Baggy und Trainingsjacken aus Ballonseide. Kennen wir alles aus den 90ern, aber jetzt kommt es anders.

Die Key-Pieces des Jahrzehnts werden neu wiederaufgelegt und verschiedene It-Labels der 90er kommen mit in den Blender. So finden sich bei Vetements’ Gastauftritt zur Haute Couture die Marken Champion, Juicy Couture, Eastpak, Manolo Blahnik, Carhartt, Levi’s und Reebok auf dem Laufsteg, der eigentlich für ultimative Exklusivität steht.  

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©Viktor & Rolf Couture FW16 via lofficielmode.com

Diese werden in diesem Retro-Spiel, das auch andere Designer beherrschen – man denke an Fila oder Kappa bei Gosha Rubchinskiy, “Enjoy Coke” bei Viktor & Rolf, oder, ganz selbstreferenziell, an ein Gucci-Logoshirt beiGucci – miteinander vermischt. 

Innerlich zwinkern sich alle Eingeweihten gegenseitig zu: Wir haben den Witz verstanden, sind Teil des gigantischen Insiderjokes. Das Styling macht den Look. Wer seine Marken und Referenzen beherrscht, ist drin. Wer den Witz nicht kapiert, bleibt draußen. Früher konnte sich ein exzessiv getragenes Brand-Logo negativ auf das Markenimage auswirken, heute tragen wir es ironisch und steigern damit den Markenwert der Brand. 

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©Gucci Cruise 2017 via lofficielmode.com

Ist das, was da auf die Laufstege kommt, jetzt noch Modedesign? Legenden der Mode, wie Coco Chanel, Christian Dior oder Yves Saint Laurent, konnten mit ihren Designs den Stil ihrer jeweiligen Zeit definieren und so auch gesellschaftlich Einfluss nehmen. Die Designer heute verhalten sich eher wie Stylisten, die keine wirkliche Aussage zur Gesellschaft treffen, sondern lediglich ihr eigenes System, die Mode, rezitieren. 

Über eines kann man kaum streiten: Es ist kaum noch möglich, eine komplett neue Silhouette zu entwerfen, alle Möglichkeiten scheinen bereits kreativ ausgeleuchtet worden zu sein. Auch gibt es kaum noch gesellschaftliche Tabus, die brechbar sind. Seit selbst Gender Fluidity nicht mehr shocking ist, hat die Mode ihre große Triebfeder verloren, das Spiel der Geschlechter. Was bleibt, ist ein nostalgischer Blick zurück. 

Der Einfluss der Muslima auf die Mode

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Frauen nach gewohnter Manier das eurozentristische Konzept von Freiheit und Emanzipation aufdrücken zu wollen, ist eine veraltete Denkweise, die mehr Unterdrückung schafft, als sie abbaut. Nach dem Launch der ersten Hijab-Kollektionen von Dolce&Gabanna, Uniqlo & Co. fragen wir uns, wie man eine Modekultur schafft, in der jede Frau für sich selbst den Begriff „Freiheit“ definieren kann. Weiterlesen auf i-D.

Tim Labenda: „Der Handel ist in einer Schockstarre“

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Tim Labenda, portraitiert von Markus Jans

Für Tim Labenda hagelte es in den vergangenen Jahren Nominierungen und Preise aller wichtigen Nachwuchsförderungen im deutschsprachigen Raum. Ganz neu kommt auch noch eine Nominierung für den prestigeträchtigen Woolmark Price hinzu. Man sollte meinen, wenn es einem finanziell gut geht in der deutschen Jungdesignerszene, dann wohl Tim Labenda. Doch der Designer zeichnet ein anderes Bild von seiner und der Lage der Designerförderung in Deutschland im Allgemeinen. Weiterlesen auf www.fashionunited.de

Exit through the Online-Shop – die Revolution des Modezyklus

Dieser Artikel wurde am 19.Februar 2016 auf FashionUnited.de veröffentlicht.

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Darf man es eine Revolution nennen? Eine erdrückende Last an Indizien weist jedenfalls auf mehr als nur eine kleine Disruption der Modeindustrie hin. Hochdekorierte Designer, die bei den wichtigsten Modehäusern aufgrund von mangelnder Freiheit und Freizeit hinschmeißen, weil die Anforderungen zu erdrückend, die Mode-Zyklen zu rasend schnell geworden sind und die Bedingungen für kreatives Schaffen darunter immens leiden. Horrende Marketingbudgets, die für die Verbreitung der neuesten Kollektionsbilder ausgegeben werden, die aber ins Leere laufen, weil die Produkte noch nicht produziert sind und der Hype anschließend ungenutzt verpufft. Verwirrte und verstimmte Kunden, die die neueste Mode zwar auf sämtlichen Social Media Kanälen sehen, aber noch nicht kaufen können. Weiterlesen